Die Corona-Pandemie zwingt die Schulen in den Distanzunterricht. Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler über Livestreams und Chats am Unterricht teilnehmen. So zumindest in der Theorie. Faktisch rächen sich nun allerdings jahrzehntelange Versäumnisse in Sachen Digitalisierung an Berlins Schulen. 257 Millionen Euro sollen nun als Digitalpaket die Schulen in Berlin aus der technischen Krise helfen. Dennoch sind der Fortschritte winzig, berichtete kürzlich rbb24.de.

Digitalisierung in der Schule

© Pixabay/steveriot1 – In Berlin haben die wenigsten Schulen Tablets oder Notebooks

Kaum Gelder für Digitalisierung von Schulen abgerufen

Insgesamt verfügen 90 Prozent der Schulen über einen Internetanschluss. Lediglich 41 berufliche Schulen, darunter nur eine allgemeinbildende Schule, verfügt über einen zeitgemäßen Glasfaseranschluss. Ansonsten sind die Mbit-Raten erschreckend niedrig. Oft reicht das langsame Netz lediglich für das Sekretariat. 10 Prozent aller Schulen verfügen über keinen Internetanschluss. Woran scheitert die Digitalisierung an Berlins Schulen? Das Geld ist es nicht, denn schon vor zwei Jahren hatten Bund und Länder ein gigantisches Paket von 157 Millionen Euro locker gemacht. Bis das Virus ausgebrochen ist, waren allerdings nur einzige Summen abgerufen worden. Fast 700 Schulen hatten bis März dieses Jahres noch nicht einmal einen einzigen Antrag gestellt. Der Grund: Die wenigsten Schulen konnten ein schlüssiges Medienkonzept vorlegen.

Nach wie vor zu wenige Tablets und Notebooks

In den Herbstferien meldeten die Schulen etwa 6.900 Tablets und 15.600 Notebooks. Ein kleiner Fortschritt im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Dennoch sind die meisten Schülerinnen und Schüler auf ein privates Gerät angewiesen, wollen sie am Distanzunterricht teilnehmen. Verteilt sind die digitalen Geräte zudem vollkommen unterschiedlich. Während etwa die Julius-Leber-Schule in Reinickendorf über 172 Laptops und 64 Tablets verfügt, stehen an der Walter-Gropius-Schule lediglich 148 Laptops und kein einziges Tablet zur Verfügung. Das geht aus den Zahlen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hervor.

Digitalisierungsbeirat in Berlin geplant

Die Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat kürzlich bekannt gegeben, einen spontanen Digitalisierungsbeitrat einzuberufen. Ziel sei es, eine Strategie der Schulen für eine digitale Welt auf die Beine zu stellen. Dabei gehe es darum, sämtliche Bereiche an Berlins Schulen fit für das Netz zu machen und die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Beteiligt am Beitrag sind Forscher, Wissenschaftler und Politiker. Auch Datenschutzbeauftragte und Schulleiter werden Mitspracherecht haben. Für Erstaunen sorgte die Verkündigung der Senatorin deshalb, da sich kein einziger Vertreter des IT-Dienstleistungszentrums des Landes Berlin auf der Teilnehmerliste befindet. Die Grünen und die SPD kündigten bereits an, Einsicht in die Ausschreibungsunterlagen zu erhalten.

Ausbau der Digitalisierung an Berlins Schulen kommt Jahrzehnte zu spät

Experten begrüßen die neuen Pläne der Berliner Politik, kritisieren aber gleichzeitig auch, dass die Hilfe viel zu spät kommt. In den vergangenen Jahren habe die Politik zu viel versäumt, um die Schulen an die fortschreitende Technik anzupassen. Die Schulen leben nach wie vor in alten Zeiten und sind dem technischen Fortschritt schon viel zu lange hinterher. Es sei traurig, so Politiker und Experten, dass es erst eine weltweite Pandemie brauche, um die Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben. Gleichzeitig kann die Pandemie aber auch eine Chance sein, endlich einen großen Sprung in Sachen Digitalisierung zu machen.