Die Gewerkschaft Verdi hat für den heutigen Dienstag (29. September 2020) für den öffentlichen Nahverkehr in Berlin und Brandenburg (ÖPNV) zu Streiks aufgerufen. In Berlin sollen diese bereits um 3 Uhr morgens beginnen und bis 12 Ihr mittags andauern.

U-Bahn in Berlin

© Unsplash / Danny Feng – Die U-Bahnen in Berlin stehen heute still

In Brandenburg, wo Busse, die Tram und Strassenbahnen betroffen sind, soll ebenfalls zu Betriebsbeginn mit den Streiks begonnen werden, diese sollen sich dann allerdings bis zum nächsten Tag fortsetzten.

In Brandenburg sind unter anderem folgende Unternehmen davon betroffen: Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming mbH, Busverkehr Oder-Spree, Regiobus Potsdam Mittelmark. Es sollen des weiteren auch die Klinken der Charite sowie Vivantes bestreikt werden.

Die Konsequenzen für die Fahrgäste

Es kann stark davon ausgegangen werden, dass weder die Busse noch die Bahnen der bestreikten Unternehmen zum Einsatz kommen.

Die gute Nachricht: In Berlin ist die S-Bahn nicht vom Streik betroffen. Sie wird für Dienstag ihr Angebot sogar ausweiten. So wird auf der Strecke zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz die S- Bahn bis 12 Uhr fahren, statt gewohnt bis 8.30 Uhr. Das gleiche gilt für die Route Mahlsdorf-Ostbahnhof

Gründe für die Streiks

Die stellvertretende Verdi Vorsitzende Christine Behl sieht in dem kommenden Warnstreik die einzige Möglichkeit auf die nun schon 20 Jahre dauernde Misere im ÖPNV aufmerksam zu machen, da von seitens der VKA (Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber) abgelehnt wurde über einen Rahmentarifvertrag zu verhandeln.

Ferner will Verdi erreichen, dass die Mitarbeiter der Brandenburgischen Verkehrsbetriebe die Konditionen erhalten wie ihre Berline Kollegen von der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe), wie zum Beispiel die Reduzierung der öffentlichen Arbeitszeit von 39 Stunden auf 36,5 Stunden.

Anke Stier, die Vertreterin der VKA zeigt sich irritiert angesichts der bevorstehenden Streiks, da ihr Verband erst letzten Jahres einer Lohnerhöhung für alle Beschäftigten mit einem Volumen von über 100 Millionen Euro zugestimmt hätte.

Außerdem kritisiert sie den Zeitpunkt des Streiks, denn in der Corona-Krise sei es unverantwortlich, dass weniger Verkehrsmittel zu Verfügung stünden, es sei ein Spiel mit der Gesundheit der Bevölkerung.

Stellenstreichungen trotz höheres Fahrgastaufkommens

Die stellvertretende Verdi Vorsitzende nennt konkrete Details des geplanten Tarifvertrages. So fordert sie ein bessere Förderung des Nachwuchses. Auch stößt es bei ihr auf Unverständnis, dass bundesweit im ÖPVN in den letzten 20 Jahren über 15.000 Stellen gestrichen wurden, obwohl die Anzahl der Fahrgäste seit Jahren kontinuierlich zunehme.

Die Folgen davon seien häufigere Krankheitsausfälle. Auch fehle es an Personal, um wichtige ländliche Verbindungen aufrechtzuerhalten. Den Streik in diesen besonderen Zeiten begründet sie damit, dass davon auch die Fahrgäste auf lange Sicht profitieren werden.